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Verkaufspläne des staatlichen Energieversorgers STEAG drohen Kohleausstieg bis 2030 zu verzögern

June 01, 2023

Key Takeaways:

Die STEAG hat bisher keinen Plan für den Kohleausstieg vorgelegt. Dies birgt das Risiko, dass die derzeitige Kohleverstromung von 4,1 GW bis zum Jahr 2038, dem deutschen Ausstiegsdatum, weiterläuft und Deutschland seine Ziele für den Kohleausstieg im Jahr 2030 verfehlt.

Durch den angekündigten Verkauf des Essener Unternehmens wird klar, dass die Kohleausstiegsstrategie der STEAG als fünftgrößter deutscher Stromerzeuger nur von kurzer Dauer sein wird. Es wird erwartet, dass der neue Käufer die Lebensdauer der bestehenden Steinkohleflotte maximieren wird.

Die STEAG ist mit einem CO2-Emissionsfaktor von 927 kg/MWh im Jahr 2021 unter den 25 untersuchten europäischen Unternehmen das mit der zweitstärksten Verschmutzung in Europa.

Die Unternehmenseigentümer sollten einen verbindlichen Ausstiegsplan für die Kohleflotte zur Bedingung eines Verkaufs machen und die STEAG nur an einen Käufer veräußern, der sich öffentlich zu einer Kohleausstiegsstrategie bekennt.

Durch den Verkauf der STEAG ohne einen verbindlichen Kohleausstiegsplan könnten 4,1 GW Kohle bis 2038 in Betrieb bleiben und die deutsche Energiewende hinauszögern, wie eine Analyse des Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) zeigt.

Berlin, 1 Juni 2023 | Der angekündigte Verkauf des staatlichen Energieversorgers STEAG könnte den deutschen Kohleausstieg bis 2038 verzögern, wenn nicht im Rahmen des Verkaufsprozesses ein verbindlicher Ausstiegsplan umgesetzt wird. 

Mit 4,1 Gigawatt (GW) aktueller Kohleverstromung und ohne einen verbindlichen Kohleausstiegsplan in Aussicht könnte die Kohleflotte der STEAG dazu beitragen, dass Deutschland sein vorgezogenes Ausstiegsziel bis 2030 verfehlt und die Energiewende bis 2038, dem derzeit noch geltenden Enddatum für die Kohleverstromung, verzögert.

Die STEAG ist mit einem CO2-Emissionsfaktor von 927 Kilogramm pro Megawattstunde (kg/MWh) der zweitschädlichste Stromversorger in Europa. Das Unternehmen hat noch keinen Dekarbonisierungsplan vorgelegt.

Die Entscheidung zum Verkauf des Unternehmens, das im letzten Jahrzehnt zumeist Verluste eingefahren hat, wurde Ende 2022 bekanntgegeben und wurde offenbar durch die gestiegenen Strompreise begünstigt, die die STEAG für Käufer attraktiver machen können. 

Es besteht das Risiko, dass der STEAG-Käufer die Lebensdauer der Kohleflotte bis zu ihrer Zwangsstilllegung maximal verlängern könnte. Der Kohleausstiegsplan der STEAG soll zwar noch in diesem Jahr veröffentlicht werden, wird aber für den neuen Eigentümer nach der Übernahme nicht verbindlich sein. 

Der Verkauf der STEAG an einen privaten Eigentümer mit dem Ziel der Gewinnmaximierung kommt zur Unzeit und ist nicht hilfreich, um Deutschland den Weg in einen vorgezogenen Kohleausstieg zu ebnen. Da die STEAG ein staatliches Unternehmen ist, stehen die Eigentümer in der Pflicht, die Ziele für einen beschleunigten Kohleausstieg auch umzusetzen. 

Eine Alternative wäre, den Verkauf der STEAG zu verschieben, bis für alle Kraftwerke ein verbindlicher Abschalttermin feststeht, oder das Unternehmen nur an einen Käufer zu verkaufen, der der Umsetzung der Kohleausstiegsstrategie der STEAG öffentlich zustimmt. 

„Da die STEAG ein staatliches Unternehmen ist, sollte das Management den Standard für eine planvolle und wirksame Kohleausstiegsstrategie setzen, die Deutschlands Energiewende-Agenda aufrechterhält und beschleunigt“, meint Jonathan Bruegel, Autor des Berichts und IEEFA-Analyst für den Energiesektor. „Wir beobachten jedoch das Gegenteil: Die kommunalen Eigentümer der STEAG wollen den zweitgrößten Umweltverschmutzer Europas rasch verkaufen, um ihre Gewinne zu maximieren, und unterschätzen dabei die Auswirkungen, die dies auf Deutschlands Dekarbonisierungsbestrebungen haben wird.“

Die STEAG muss seine Nullemissionsziele im zweiten Quartal 2023 vorlegen, allerdings ist es alles andere als sicher, ob das Unternehmen dieser Verpflichtung inmitten eines Verkaufsprozesses nachkommen wird. Es besteht die Gefahr, dass die Kommunen, denen die STEAG gehört, diesen Übergang weder steuern noch fördern. 

„Die grundlegenden Daten des Strommarktes allein werden nicht ausreichen, um die Kohleflotte der STEAG aus dem Energiemix zu drängen – wenn es Deutschland mit seinen Energiewende-Zielen ernst meint, muss die Regierung in diesen Verkauf eingreifen, bevor es zu spät ist“, so Autor Jonathan Bruegel weiter.

Die STEAG ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der KSBG KG, eines Konsortiums aus sechs deutschen Stadtwerken: Stadtwerke Duisburg AG, DSW21, Stadtwerke Bochum GmbH, Stadtwerke Essen AG, Energieversorgung Oberhausen AG und Stadtwerke Dinslaken GmbH.

Das Verkaufsverfahren startet voraussichtlich im Mai 2023. Eine Kopie des Berichts wurde an die STEAG und die KSBG KG gesandt.

Read the full report: Ungewisse und zögerliche Dekarbonisierungsstrategie der STEAG

Read the English version of the report: STEAG’s Uncertain and Slow Decarbonisation Strategy

Über IEEFA

Das Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalyse (IEEFA) untersucht Aspekte in Bezug auf Energiemärkte, Trends und Richtlinien. Aufgabe des Instituts ist es, den Umstieg auf eine vielseitige, nachhaltige und rentable Energiewirtschaft zu beschleunigen. www.ieefa.org

Pressekontakte

Sofia Russi | [email protected] | +393493229728 
Jules Scully | [email protected] | +44 7594 920255

Jonathan Bruegel

Jonathan Bruegel is a power sector analyst for IEEFA’s Europe team. Before joining IEEFA, Jonathan worked more than 20 years in the energy sector and became an expert on power markets worldwide working for several power generation utilities.

His fields of expertise are conventional/renewable power generation, power storage, hydropower optimization, power market ancillary services, green hydrogen and LNG.

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